Im September 2006 tagte das Generalkapitel der Ordensgemeinschaft. Eine der großen Herausforderungen unserer Zeit sieht das Kapitel in der großen Vielfalt der Kulturen und Nationalitäten, sowohl in der menschlichen Gesellschaft als auch innerhalb der Ordensgemeinschaft. Wie sollen wir damit umgehen und wie können wir die Vielfalt als etwas erleben, das bereichert?
Das Kapitel sagt: Die Begegnung mit dem Fremden erlebt man nicht immer als Geschenk oder als etwas Positives. Im Gegenteil, sie führt oft zu Gefühlen der Isolierung, des Neids, der Angst und der Reserviertheit.
Den Fremden als Bruder gewinnen oder sich selbst als Bruder des Fremden erfahren erfordert einen Verzicht darauf, sich abzuschotten oder sich mit Gewalt zu verteidigen: Loslassen, um zu gewinnen! Im Johannesevangelium heißt es: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht." (Joh 12,24) Das Kapitel erinnert:
Jesus erkennt, dass seine Stunde gekommen ist, die Stunde des Weizenkorns, das sterben muss, als sich ihm einige Griechen - Ausländer - nähern und sagen: "Wir wollen Jesus sehen." Jesus stirbt, und so überwindet sein Geist die Grenzen von Rasse, Nation und Kultur. Er selbst war ganz und gar Jude und ist doch das Weizenkorn, das fähig ist, reiche Frucht zu bringen. Die junge Kirche wurde unter großen Schwierigkeiten eine universale Kirche, indem sie den jüdischen Ethnozentrismus überwand. In einer von nationalistischen Kräften, ethnischen Konflikten und Fremdenhass bestimmten Welt kommt auch für uns die Stunde, in gewisser Weise zu "sterben", damit wir die Kraft des Geistes bezeugen, der in der Lage ist, Geschwisterlichkeit und Gemeinschaft unter ganz verschiedenen Menschen zu schaffen. Die Internationalität hat also eine österliche Dynamik.
Gott, dein Sohn Jesus Christus
ist das Weizenkorn, das für uns starb.
wir leben aus seinem Tod.
Wir fürchten, wenn wir uns auf dich einlassen,
wird unser Leben noch schwerer;
wenn wir uns für deine Sache mühen,
kommen wir selber zu kurz.
Nimm von uns die Angst,
für andere verbraucht zu werden.
Gib uns Freude an deinem Reich
und lass uns erfahren,
dass dir allein die Zukunft zugehört.
Hilf uns, für einander offen zu sein,
damit wir nicht vergeblich leben,
sondern Frucht bringen
nach dem Beispiel Christi. Amen.