Mission verlangt Aufbruch
Der 20. Oktober war nach dem alten Kirchenkalender der Gedenktag des Hl. Caprasius. Ein Heiliger, der längst nicht mehr gefeiert wird und doch für unsere Gemeinschaft von Bedeutung bleibt.
Als der Gründer Pierre Coudrin sich als junger Priester während der Schreckenszeit der französischen Revolution versteckt hielt, las er am 20. Okt. 1792 im Brevier die Geschichte des Heiligen Bischofs Caprasius. In der Zeit der römischen Christenverfolgung hielt er sich aus Angst versteckt und beobachtete eines Tages, wie eine junge Frau auf dem Marktplatz seiner Bischofsstadt wegen ihres Glaubens an Christus hingerichtet wurde. Das beschämte den Bischof. So verließ er sein Versteck, kehrte in seine Stadt zurück und fand schließlich selbst als Martyrer den Tod.
Am selben Tag, an dem er diese Geschichte liest, beschließt auch Pierre Coudrin, aufzubrechen und dem Tod zu trotzen. Er schreibt über dieses Erlebnis: "Als ich weggegangen war, warf ich mich unter einer Eiche auf die Knie und bot Gott mein Leben an... Aber ich hatte eine Art Vorahnung, dass ich gerettet werden würde.“ Er wurde in der Tat gerettet, und nicht nur das. Zusammen mit seinen Gefährten gründete er später eine Ordensgemeinschaft, die sich dem Ziel verschrieben hatte, die Liebe Gottes zu betrachten, zu leben und zu verkünden.
Mission verlangt Aufbruch, nicht nur in Verfolgungszeiten. Auch heute halten wir Christen uns zuweilen versteckt und finden es peinlich, von unserem Glauben zu sprechen. Viele haben Angst, als Fundamentalist zu gelten, und akzeptieren schnell, dass der Glaube als Privatsache aus dem öffentlichen Leben ferngehalten wird.
Dennoch: Wer seinen Glauben mutig bekennt, muss nicht gleich ein Fundamentalist sein. Er zeigt lediglich, dass sein Leben ein Fundament im Glauben hat. Dieses Fundament trägt. Und wer sich getragen weiß, kann ein glaubwürdiger Zeuge sein.

Gebet
Gott,
du suchst Menschen, die von dir sprechen
und der Welt deine gute Botschaft weitersagen.
Hilf uns,
Trägheit und Menschenfurcht zu überwinden
und deine Zeugen zu werden -
mit unserem ganzen Leben.
Amen.
