Gottes Risiko
Lieber auf Nummer Sicher gehen, sagen wir oft, zumindest die Vorsichtigen unter uns. Aber je mehr sich ändert im Leben, je stärker wir uns in Frage gestellt fühlen, je mehr wir uns schwach, verletzt, begrenzt oder alt vorkommen, desto eher bevorzugen wir den sicheren Weg und scheuen das Risiko.
Das gilt auch in Beziehungen mit Menschen. Warum mich an eine andere Person binden? Am Ende werde ich enttäuscht. Warum die eigene Meinung offen sagen und einen Konflikt riskieren? Am Ende werde ich selbst angefragt oder kritisiert oder verletzt und stehe nicht mehr so sicher auf den Beinen wie zuvor. Da bleibe ich liebe auf Distanz und gehe auch Nummer Sicher. Wer sich aus der Deckung wagt, geht ein Risiko ein.
Als Christen gehen wir in diesen Tagen auf das Weihnachtsfest zu, in dessen Mitte ein schwaches und verletzliches Kind steht. Es ist schon seltsam: Gott scheint ganz und gar nicht auf Nummer Sicher zu sehen. Er geht auf uns Menschen zu und macht sich verletzlich. Er wird Mensch: ein Kind im Stall, ein Prophet im Widerstand, ein Verwundeter am Kreuz. Gott läßt sich auf die Menschen ein und scheut das Risiko nicht. So beginnt der Weg der Erlösung.
Ein Risiko stand auch am Anfang unserer Gemeinschaft. Es war im Jahre 1800, als in Frankreich die Kirche verfolgt wurde. Da legten unsere Gründer den Grundstein für eine neue Ordensgemeinschaft. Das Weihnachtsfest haben sie sich ausgesucht für ihre ersten Gelübde. Überwältigt von dem Risiko Gottes, riskieren sie ihr eigenes Leben in der Nachfolge Jesu.
Geschichtlicher Hintergrund

Gebet
Gott, wir danken dir.
Als verletzliches Kind kommst du in die Welt
um unseretwillen.
Auf unsere Freiheit hast du dich eingelassen
um unseretwillen.
Ein hohes Risiko bist du eingegangen,
um unseretwillen.
Hilf uns, deinen Namen zu ehren
um deinetwillen,
und dir allein zu dienen
um unseretwillen.
Amen.
