Was ist das für ein Gott, der soviel Unglück und Leid zulässt?

P. Albert Beuting versucht hier eine Antwort auf die Frage, die wohl jeden Christen – und das seit 2.000 Jahren – schon einmal existenziell betroffen hat.

Erwarten Sie keine Antwort auf die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts so vieler unser Leben bedrohenden Mächte. Kluge Köpfe haben über die Jahrhunderte hin dieses Problem erörtert und keine befriedigende Lösung anbieten können. Gott ist und bleibt für uns immer der ganz Andere, der, der in unzugänglichem Lichte wohnt. Seine Absichten und Pläne mit uns bleiben undurchschaubar. Auf das Warum des Leids gibt uns die Bibel keine Antwort. Gott hat das Lebensfeindliche, das Böse nicht gemacht, sondern findet es vor - so Klaus Berger. Gottes Schöpfung bringt Ordnung in die chaotische Welt des Anfangs. Die Ausbreitung seiner Herrschaft und die Sendung Jesu haben nur das eine Ziel, eine lebensfreundliche Ordnung zu schaffen. Und dieser Prozess ist noch immer nicht zu Ende. Warum? Das weiß keiner.
Und dennoch können wir die Nachfrage nach dem Bösen nicht unterlassen, weil sie für uns immer im Zusammenhang mit der Frage nach Gott steht. Nach Gott zu fragen in einer Zeit, wo das Böse, "der Böse", immer mehr um sich greift, bedeutet, nach der Gerechtigkeit zu schreien, damit der Mörder nicht über seine Opfer triumphieren kann. In diesem Hunger nach Gerechtigkeit, die wir allein nicht erreichen werden, bleibt auch heute die Gottesfrage lebendig.
Wenn wir nach Auschwitz noch von Gott reden wollen - für viele ist dieses Gespräch seitdem für immer verstummt -, dann dürfen wir die Gebete und Schreie von Opfern nicht überhören. Denn solche Schreie sind Ausdruck dafür, dass der Leidende im Angesicht des Todes seine Hoffnung auf ein "Danach" noch nicht aufgegeben hat. Hat doch Mose am brennenden Dornbusch Gottes Botschaft vernommen: "Ich habe den Aufschrei meines Volkes Israel gehört und seine Not mit angesehen." In der Geschichte Israels und darüber hinaus hat Gott sich als Gott des Lebens erwiesen, der keinen Gefallen hat am Untergang des Menschen.
Auch die atheistische Position hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Auch der Atheist kann Schmerzen, Tränen und Tod nicht aus der Welt schaffen, er verabsolutiert das Ungemach noch und macht es zum Endpunkt ohne Hoffnung.
Das Leid ist endgültig und sinnlos.
Aus unserem Leben ist das Leid nicht wegzudenken, es gehört einfach dazu. Als Christen stehen wir in tiefer Achtung vor den Leidenden und lassen uns treffen von ihren bedrängenden Fragen. Ich habe schon oft Menschen erlebt, die unsägliches Leid trugen und es im Blick auf den Gekreuzigten annahmen. Seit dem Opfertod Jesu kann man Leid nicht einfach mehr als sinnlos bezeichnen. Mir ist die Leidbewältigung einer Mutter Teresa immer unendlich sinnvoller erschienen als alle laut vorgetragenen Proteste.
Vielleicht kann uns Frère Roger mit diesem Wort weiterhelfen: "Manche fragen sich, wie man sich freuen kann, wo doch das Leben einem Menschen hart zuzusetzen vermag. Wir tragen in uns eine große Freude, aber sie macht uns nicht gefühllos für das Leid der anderen."
Die schwarze, undurchschaubare Tiefe des Bildes von Paul Klee ist ein Zeichen für Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Ob der Künstler hier seine eigene Erfahrung von Krankheit und Todesnähe reflektiert? "Das Tor zur Tiefe" veranschaulicht den Grundgedanken der alttestamentlichen Klagelieder. Besonders im Psalm 88,4 - der Beter richtet hier eine bittere Anklage an Gott - kommt die Not des Menschen zum Ausdruck:
"Denn gesättigt mit Übeln ist meine Seele,
und mein Leben hat die Unterwelt berührt."
Dieser Text kritisiert sehr deutlich unser bisweilen redseliges, verharmlosendes und beschwichtigendes Reden über Gott und sorgt dafür, dass Mangel, Not und Verzweiflung als harte Realität im Blick bleiben. Der Beter klagt seinen Gott an, dass er Gefahr läuft, durch sein Verhalten sein "Gottsein" aufs Spiel zu setzen. Aber er kann dennoch nicht von ihm lassen, weil er allein helfen kann.

Der Aufschrei Jesu am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?", darf auch zum Inhalt unseres Gebetes werden: "Wozu hast du mich verlassen, wozu mich in eine Welt voll Ungerechtigkeit und Missachtung gestoßen?"
"Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und dich seiner annimmst?"
Das heißt für mich: Nur von Gott her, von seinem Gedenken her lässt sich sagen, was oder wer ich bin. Nur von ihm her wächst mir die Fähigkeit zu, meine Stellung in dieser Welt wahrzunehmen.
Zum Schluss möchte ich das Testament eines jüdischen Emigranten für eine Zeitung in Buenos Aires wiedergeben, der die letzten Stunden seines Lebens im Warschauer Getto erlebt. Es wurde erst kürzlich wieder entdeckt.

"Ich glaube an den Gott Israels, auch wenn er alles getan hat, dass ich nicht an ihn glauben soll. Ich kann Dich nicht loben für die Taten, die Du duldest. Ich segne und lobe Dich aber für Deine schiere Existenz, für Deine schreckliche Größe.
Du sagst, dass wir gesündigt haben? Aber natürlich! Und dafür werden wir bestraft? Auch das kann ich verstehen. Ich will aber, dass Du mir sagst, ob es irgendeine Sünde auf der Welt gibt, die eine solche Strafe verdient, wie wir sie bekommen haben. Die Versuchung, in die Du uns geführt hast, ist so schwer, so unerträglich schwer, dass Du denjenigen Deines Volkes vergeben solltest und musst, die sich in ihrem Unglück und Zorn von Dir abgekehrt haben. Vergib auch denjenigen, die Deinen Namen gelästert haben, die anderen Göttern dienen gingen, die gleichgültig gegen Dich geworden sind. Du hast sie so sehr geprüft, dass sie nicht mehr glauben, dass Du ihr Vater bist, dass sie überhaupt einen Vater haben.
Ich sage Dir das alles deutlich, weil ich an Dich glaube, noch mehr als zuvor, weil ich weiß, dass Du mein Gott bist. Denn Du bist doch nicht, Du kannst doch nicht der Gott jener sein, deren Taten der grauenvollste Beweis ihrer aggressiven Gottlosigkeit ist." Zvi Kolitz: Jossel Rakovers Wendung zu Gott.

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UND WAS KOMMT NACH DEM ENDE?

 

Der »zornige« Gott und der »liebende« Gott – wie passt das zusammen?

 

Anbetung – Was ist das eigentlich?

 

Wird die Welt nicht friedlicher, wenn der Glaube an den einen Gott aus ihr verschwindet?

 

Interreligiöser Dialog der falsche Weg?

 

Ist Jesus bei der Auferstehung ins leibliche Leben zurückgekehrt? Die Apostel können ihn doch sehen. Wie kann man sich das vorstellen?

 

Wer hat denn Ihre Ordensgemeinschaft gegründet? Coudrin? – Noch nie gehört!

 

Suggeriert die Parallelität »Heiligste Herzen Jesu und Mariens« nicht eine Gleichstellung des Gottessohnes mit einem Menschen? Und ist eine solche Heraushebung Mariens für eine monotheistische Religion wie das Christentum nicht problematisch?

 

Was ist das Besondere, das Spezifische der Arnsteiner Patres – das Charisma oder die Aufgabenstellung, durch die sie sich von anderen Ordensgemeinschaften unterscheiden?

 

Zu den Arnsteiner Patres gehören ja auch Brüder ohne Priesterweihe und Theologiestudium. Welche Aufgaben haben sie in den Häusern und in der Ordensgemeinschaft insgesamt?

 

In einigen Orden verbringt man sein ganzes Leben in einem Kloster, in anderen wechseln die Brüder in ziemlich regelmäßigen Abständen immer wieder Ort und Aufgabe. Wie ist das bei den Arnsteiner Patres, und welchen Hintergrund hat das?

 

Wie leben Sie eigentlich als Patres in Arnstein? Wie groß ist Ihr Zimmer? Gibt es persönlichen Besitz bei Ordensleuten?

 

Für die umstrittene Serie »Popetown« des Musiksenders MTV wurde vor Ostern mit einer »Jesus-Karikatur« geworben. Was halten Sie von dieser Anzeige? Muss die Kirche nicht gegen so etwas protestieren?

 

Was ist das für ein Gott, der soviel Unglück und Leid zulässt?