Danke
Es macht heute vielen Menschen Mühe, zu verstehen,
was das eigentlich heißen solle, Gott zu danken.
Was geschieht eigentlich dabei außer ein paar Worten?
Wenn die Afrikaner einem Menschen danken,
dann beschreiben sie sehr anschaulich, was sie damit tun.
Der Basuto dankt mit den Worten: Das hast du gut gemacht.
Der Herero sagt: Das war nötig!
Der Zulu: Du bist mir eine gute Milchkuh!
Indem einer dankt, verläßt er sich darauf,
dass der andere wieder so handeln wird,
wenn es wieder nötig ist.
Das Leben wird verläßlicher unter denen, die einander danken,
und die Übereinstimmung zwischen den Gedanken des einen und des anderen,
dem Willen des einen und des anderen wird größer.
Jörg Zink

Gebet
Ich danke dir für die Liebe, die mich beherbergte,
den Hass, der mich forttrieb,
und den Gleichmut des Scheidens.
Ich danke dir sehr für den Weg.
Ich danke dir für die Sterne und für die Blumen,
für das herrliche Gras, für den Sichelmond,
die Wolke, den Himmel, die Luft, die ich atme.
Ich danke dir sehr für den Baum.
Ich danke dir für den Feind, der mich mittags anfiel,
und für den Freund, der mich abends heimgeleitet.
Ich danke dir sehr für mein Dasein -
und dafür, dass es vergeht.
Du aber wirst sein,
wenn die Blume abgeblüht und der Stern erloschen,
der Baum verdorrt und jeder Weg weglos geworden ist,
wenn der Feind vermodert, der Freund geschieden.
Du wirst sein, wenn mein Dasein vorüber ist
und meine Liebe zum Dasein erloschen.
Darum danke ich dir mit meinem ganzen Wesen:
Ich danke dir für dein Sein.
