Wird die Welt nicht friedlicher, wenn der Glaube an den einen Gott aus ihr verschwindet?

P. Norbert Hoffmann SSCC versucht eine Anwort zum folgenden Fragenkomplex zu geben.

Seit einigen Jahren werden Religion und Glaube von verschiedenen Seiten wieder zunehmend zur Legitimierung von Krieg und Gewalt benutzt. So erreichten uns in letzter Zeit auch verschiedentlich Fragen, die man vielleicht wie folgt zusammenfassen kann:

 

Wird die Welt nicht friedlicher, wenn der Glaube an den einen Gott aus ihr verschwindet?

 

Dass es im Namen der Religion immer wieder zu Streit, Unterdrückung und Gewalt kommt, belegen zahllose Ereignisse von den Kreuzzügen bis zu den Anschlägen des 11. September 2001. Für diese Gewaltausbrüche werden von einigen die monotheistischen Religionen verantwortlich gemacht, die die Verehrung eines einzigen als des allein wahren Gottes fordern und alle anderen Götter für Götzen halten. »Schaffen wir« – so meinen nicht wenige – »die monotheistischen Religionen ab, und die Welt hat Ruhe und Frieden!«
Ein nur vermeintlich plausibles Argument. Denn genauso könnte man aus dem unkontrollierten Essverhalten vieler Menschen den Schluss ziehen: »Schaffen wir das Essen ab, und das Problem des Übergewichts ist gelöst!« Davon abgesehen, sind nicht nur Verfechter des Monotheismus, sondern auch »Apostel der Gottlosigkeit«, wie Josef Stalin oder Mao Tse-tung, für himmelschreiende Verbrechen verantwortlich. Die Zukunft der Welt wird nicht an der Frage von Monotheismus, Polytheismus oder Atheismus entschieden. Sie wird davon abhängen, ob die Völker Wege zur friedlichen Überwindung ihrer Konflikte finden, ob es gelingt, eine globale Ordnung zu errichten, die möglichst allen Menschen Nahrung, Arbeit und eine soziale Grundsicherung zukommen lässt.
Dazu kann die Religion einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade die monotheistischen Religionen sind von ihrem Wesen her nicht spaltend, sondern universal. Der Philosoph Jürgen Habermas, ein Atheist, formuliert beispielsweise, dass unser heutiger Begriff von der »Menschenwürde« sich jüdischchristlicher Glaubenstradition verdankt. Es war der Glaube an den Gott des Christentums, durch den der Skandal der Sklaverei beendet und die Menschheit zu mehr Mitleid und Fürsorge für die Schwachen geführt wurde. Dabei sollten wir aber nicht verschweigen, dass der Glaube an den einen Gott auch Konfliktpotenzial birgt. »Was Menschen wichtig ist, darüber streiten sie« (Robert Spaemann). Dennoch ist Gewalt nicht erst durch die Religion in die Welt gekommen. Ihre Ursache liegt im Menschen selbst begründet. Der Mensch existiert nicht als von anderen losgelöstes Individuum, sondern nur in Beziehung zu anderen. Selbstsein und In-Beziehung- Sein in eine Balance zu bringen, ist aber nicht einfach. Immer wieder ist der Mensch versucht, sein Verlangen nach Einheit dadurch zu verwirklichen, dass er andere sich selbst unterwirft, das heißt, Gewalt anwendet.
Dabei spielt vor allem in der abendländischen Kultur der Ein-Gott-Glaube eine zweifelhafte Rolle: Weil Gott einer ist, versucht auch der Mensch als sein »Abbild« das Viele, das Andere, das Fremde unter die Herrschaft der Einheit zu bringen: unter die Herrschaft eines Diktators, eines Staates, einer Religionsgemeinschaft oder Kultur. Man hat die Vorstellung, das Eine sei das Ursprüngliche und die Vielfalt das, was erst nachträglich hinzukomme. Ist der eine Gott aber in diesem Sinne einer? Der christliche Monotheismus bekennt im Gegensatz zum Islam Gott als den drei-einen Gott, als jenes Geheimnis, in dem drei unterschiedene Personen der eine Gott sind, und zwar in der Weise, dass die Dreiheit der Einheit nicht nachgeordnet ist, sondern gleich ursprünglich ist. Die Vielheit gehört also von Anfang an zur Einheit selbst dazu. Die erste Person in Gott ist nicht wie im Falle menschlicher Vaterschaft »zuerst« und ganz unabhängig von der zweiten sie selbst und dann erst Vater; sie ist vielmehr sie selbst nur als Vater, nur im Gegenüber zum Sohn. Indem der Vater den Sohn zeugt, gewinnt er sich selbst. Dieses Geheimnis lässt sich verdeutlichen am Bild des Raum-Gebens: Der Vater gibt dem Sohn Existenz-Raum innerhalb des einen göttlichen Seins. In der Einheit Gottes ist Raum für Vielfalt.
Dieses Verständnis des drei-einen Gottes hat enorme Bedeutung für das Verhältnis von Gott und Welt. Nach christlicher Überzeugung ist die Welt im Sohn geschaffen (vgl. Kol 1,16; Joh 1,2; Hebr 1,2). Gott, der Vater, schafft in sich Raum, und zwar nicht nur für das göttliche Gegenüber des Sohnes, sondern im Sohn und durch den Sohn auch für das Nichtgöttliche, das heißt für die Welt. Die Schöpfung steht also nicht einfachhin »außerhalb« von Gott, sie ist einbezogen in den Raum jener Liebe, die in Gott waltet zwischen Vater und Sohn. Das ist etwas Unglaubliches: Gott liebt die Welt und die Menschen mit der Liebe, die er als Vater seinem eigenen Sohn zuwendet.

 

Nun gibt es jedoch nicht nur das bereichernde und beglückende Andere, sondern auch das fremde und das böse Andere. Aber selbst diesem räumt Gottes Liebe noch einen Raum ein: Es ist das Kreuz Jesu. Dies ist jene Stelle – die einzige! –, an der auch das sündig Andere noch Platz hat bei Gott, weil und insofern der Sohn es auf sich nimmt und als sein Leid aushält, trägt und verwandelt. Das Entscheidende im christlichen Glauben ist nicht der drei-eine Gott als solcher, sondern der Gott, der Mensch wird und im Kreuz Christi zeigt, wie viel Anderes, Fremdes und Feindliches er in Liebe zu ertragen und zu erleiden und dadurch auch zu erlösen bereit ist. Daraus ergibt sich: Der letzte und verbindliche Maßstab für die Orientierung des Christen in seinem Verhalten gegenüber Anderen und Fremden kann niemand anderes sein als Jesus Christus; seine barmherzige Güte im Leben und Sterben, sein Einsatz für Wahrheit, Gerechtigkeit und gelingendes Miteinander, also jene Liebe, die den anderen als anderen gelten lässt und bejaht, die seine Last mit trägt und ihn in sein wahres Selbst hinein erlöst. Während der Islam von einem Gottesbegriff ausgeht, der jegliche Vielheit ausschließt, müsste das Christentum von seinem Drei-Einigkeits-Glauben her auf die Begegnung mit dem Anderen und Fremden grundsätzlich positiv eingestellt sein. Wenn Christen andere Menschen unterdrücken, ihnen religiös, politisch, wirtschaftlich und kulturell keinen Raum lassen, geraten sie in einen eklatanten Widerspruch zum Kern ihrer eigenen Religion, ihrem Gottes- und Christus-Glauben. Diejenigen, die die christliche Botschaft glauben und weitergeben, müssen also alles daransetzen, den Maßstab, den diese Botschaft selbst verkündet, nicht zu verleugnen.

 

Norbert Hoffmann SSCC

 

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UND WAS KOMMT NACH DEM ENDE?

 

Der »zornige« Gott und der »liebende« Gott – wie passt das zusammen?

 

Anbetung – Was ist das eigentlich?

 

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Interreligiöser Dialog der falsche Weg?

 

Ist Jesus bei der Auferstehung ins leibliche Leben zurückgekehrt? Die Apostel können ihn doch sehen. Wie kann man sich das vorstellen?

 

Wer hat denn Ihre Ordensgemeinschaft gegründet? Coudrin? – Noch nie gehört!

 

Suggeriert die Parallelität »Heiligste Herzen Jesu und Mariens« nicht eine Gleichstellung des Gottessohnes mit einem Menschen? Und ist eine solche Heraushebung Mariens für eine monotheistische Religion wie das Christentum nicht problematisch?

 

Was ist das Besondere, das Spezifische der Arnsteiner Patres – das Charisma oder die Aufgabenstellung, durch die sie sich von anderen Ordensgemeinschaften unterscheiden?

 

Zu den Arnsteiner Patres gehören ja auch Brüder ohne Priesterweihe und Theologiestudium. Welche Aufgaben haben sie in den Häusern und in der Ordensgemeinschaft insgesamt?

 

In einigen Orden verbringt man sein ganzes Leben in einem Kloster, in anderen wechseln die Brüder in ziemlich regelmäßigen Abständen immer wieder Ort und Aufgabe. Wie ist das bei den Arnsteiner Patres, und welchen Hintergrund hat das?

 

Wie leben Sie eigentlich als Patres in Arnstein? Wie groß ist Ihr Zimmer? Gibt es persönlichen Besitz bei Ordensleuten?

 

Für die umstrittene Serie »Popetown« des Musiksenders MTV wurde vor Ostern mit einer »Jesus-Karikatur« geworben. Was halten Sie von dieser Anzeige? Muss die Kirche nicht gegen so etwas protestieren?

 

Was ist das für ein Gott, der soviel Unglück und Leid zulässt?