Anbetung – Was ist das eigentlich?

Noch vor einem halben Jahrhundert gehörte die eucharistische Anbetung für viele Katholiken zu ihrer selbstverständlichen Glaubenspraxis, heute ist dies vielen Christen fremd, und so werden meine Mitbrüder und ich immer wieder mal gefragt: Was ist das eigentlich – Anbetung?

Münster, Chorraum der St. Mauritzkirche, 21.30 Uhr. Es leuchtet nur das »ewige Licht«, und in der Mitte des Chorraums eine Kerze. Alles andere der tausend Jahre alten Kirche bleibt in tiefem Dunkel. 15 bis 20 Personen versammeln sich monatlich, um anzubeten. Jesus in der Eucharistie anzubeten. Eigentlich ein merkwürdiger Gegenstand der Anbetung: eine Hostie. Ein Stück Brot. Da hat der große Gott sich ganz klein gemacht, brot-klein. Unglaublich und nicht zu fassen: Der große Gott macht sich klein. In der Menschwerdung seines Sohnes, in dem Kind Jesus, geboren aus Maria, hat das Unglaubliche begonnen. Der Abstand zwischen Gott und Mensch ist unendlich. Gott hat diesen Abstand überbrückt, indem Er sich ganz klein macht; erst kind-klein in der Krippe und dann brot-klein in der Eucharistie. Brot-klein: Der allmächtige Gott gibt sich im wahrsten Sinne des Wortes dem Menschen in die Hand, lässt sich kommunizieren, regelrecht ein-verleiben, macht sich berührbar, anfassbar. Handgreiflichkeit zwischen Gott und Mensch.
Nicht zu fassen!
Der große Gott macht sich klein. Aus Liebe, denn nur die Liebe erreicht und gewinnt das Herz. Türen können wir eintreten, Tresore knacken, aber niemals ein menschliches Herz. Großspuriges Auftrumpfen, Gewalt und Macht bringen Herzen zwar in ihre Gewalt, sie vergewaltigen und zerbrechen sie, doch sie gewinnen sie nicht. Herzen gewinnen kann nur die Liebe. Liebe, die leidenschaftlich und einladend ist, die nur gewinnen will und nie besiegen. Anbetung bedeutet nichts anderes, als mich einer solchen Liebe zu vergewissern und auszusetzen.
»Aber, wie geht das?«, fragen viele und wollen Rezepte und allgemeingültige Formen. Ich weiß nicht, ob es Rezepte oder allgemeingültige Formen gibt. Ich weiß nur, dass Anbetung da beginnt, wo ich versuche, nicht viele Worte zu machen, nicht außergewöhnlich kreative Formen der Gestaltung zu vollziehen, sondern mich Gott in Stille, Ruhe, Gelassenheit und Vertrauen auszusetzen. Nicht einem »Höheren-Allerlei-Etwas« auszusetzen, sondern dem in Jesus Christus menschgewordenen Gott mit seinen ausgebreiteten Armen, seinem grenzenlos liebenden Herzen, der gestorben und auferstanden ist, damit wir das Leben haben, durch den Tod hindurch und über das Grab hinaus das Leben haben.

In der eucharistischen Anbetung setzen wir das »Allerheiligste« aus. Anbetung als Aussetzung bedeutet, mich dem mensch­gewordenen Gott Jesus Christus in der Eucharistie, in der Hostie, im Brot, das er selber ist, auszusetzen. Und es kommt nicht darauf an, alles Mögliche zu beten und zu singen, damit die Zeit ausgefüllt ist und sich der Uhrzeiger schneller weiterdreht … Es geht darum, dass uns tief in uns bewusst ist: Jesus, du bist jetzt hier. Ich schaue dich an und du schaust mich an. Total verrückt: Du liebst mich!
Die Stifter unserer Ordensgemeinschaft und Pater Damian De Veuster, der Apostel der Aussätzigen auf Molokai, haben täglich eucharistische Anbetung gehalten und sich dabei dem großen Gott im kleinen Brot ausgesetzt. Und: Sie haben verstanden, man kann nicht Gott anbeten und den Menschen links liegen lassen. Anbeten heißt, die Liebe Gottes wahrnehmen, die jedem Menschen gilt, und daraus die Kraft finden, auf die Menschen zu- und einzugehen, sie in und mit ihren Nöten umarmen und an ihrer Seite sein.

Anbetung ist zunächst passiv. Wir brauchen nichts zu tun, brauchen uns nicht anzustrengen, müssen nichts leisten. Alles, was getan werden muss, tut Jesus an uns und für uns. Er wendet und heilt Not, die Not und die Wunden der ganzen Schöpfung und unsere eigenen auch. Anbetung – ein Gebet, das zur Tat wird. Zur Tat Gottes an uns!
Aussetzen, sich aussetzen, treffen und betreffen lassen, Gott das Herz hinhalten mit allem, was darin ist, Gott das Leben hinhalten, das alltägliche Leben mit seinem Glück und seinem Leid, seinem Glauben und seinem Zweifel, mit allem, einfach mit allem – das ist Anbetung, auch außerhalb der Eucharistie. Die nicht eucharistische Anbetung braucht keinen heiligen Ort, keine Vorschriften, keine Rubriken und kein Ritual. Diese Anbetung kann geschehen an der Werkbank oder im Auto, beim Kartoffelschälen oder Geschirrspülen, beim Stillen eines Kindes, bei der Pflege eines Kranken, mitten am Tag, in schlaflosen Nächten … Nicht auf die Form, auf die Haltung, auf den Geist der Anbetung kommt es an. Einfach da sein, als Mann, als Frau – ohne Vorbehalt, offen für den Gott der Liebe, den Gott, der uns sagt und zeigt: Du bist geliebt, geliebt von Anfang an, geliebt in Ewigkeit!
Anbetung: Nicht etwas machen, sondern geschehen lassen, nicht etwas abgeben, sondern loslassen, nicht etwas hören, sondern sich die Ohren öffnen lassen, nicht etwas sehen, sondern sich anschauen lassen, nicht sich frei machen, sondern sich befreien lassen, nicht etwas verschenken, sondern sich beschenken lassen, nicht handeln, sondern sein, nicht das Große in unsere Kleinheit herabholen, sondern im Kleinen das Große erkennen, nicht das Geheimnis lüften wollen, sondern es belassen, nicht Gott suchen, sondern sich von ihm finden lassen … Anbetung: Am Herzen Gottes geborgen!

 

hans-ulrich willms sscc

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UND WAS KOMMT NACH DEM ENDE?

 

Der »zornige« Gott und der »liebende« Gott – wie passt das zusammen?

 

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Wird die Welt nicht friedlicher, wenn der Glaube an den einen Gott aus ihr verschwindet?

 

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Ist Jesus bei der Auferstehung ins leibliche Leben zurückgekehrt? Die Apostel können ihn doch sehen. Wie kann man sich das vorstellen?

 

Wer hat denn Ihre Ordensgemeinschaft gegründet? Coudrin? – Noch nie gehört!

 

Suggeriert die Parallelität »Heiligste Herzen Jesu und Mariens« nicht eine Gleichstellung des Gottessohnes mit einem Menschen? Und ist eine solche Heraushebung Mariens für eine monotheistische Religion wie das Christentum nicht problematisch?

 

Was ist das Besondere, das Spezifische der Arnsteiner Patres – das Charisma oder die Aufgabenstellung, durch die sie sich von anderen Ordensgemeinschaften unterscheiden?

 

Zu den Arnsteiner Patres gehören ja auch Brüder ohne Priesterweihe und Theologiestudium. Welche Aufgaben haben sie in den Häusern und in der Ordensgemeinschaft insgesamt?

 

In einigen Orden verbringt man sein ganzes Leben in einem Kloster, in anderen wechseln die Brüder in ziemlich regelmäßigen Abständen immer wieder Ort und Aufgabe. Wie ist das bei den Arnsteiner Patres, und welchen Hintergrund hat das?

 

Wie leben Sie eigentlich als Patres in Arnstein? Wie groß ist Ihr Zimmer? Gibt es persönlichen Besitz bei Ordensleuten?

 

Für die umstrittene Serie »Popetown« des Musiksenders MTV wurde vor Ostern mit einer »Jesus-Karikatur« geworben. Was halten Sie von dieser Anzeige? Muss die Kirche nicht gegen so etwas protestieren?

 

Was ist das für ein Gott, der soviel Unglück und Leid zulässt?