Dialoge für fünf Rollen: Damian, Vater, Oberer, Bischof, Doktor, Erzähler
1. Szene: Josef De Veuster spürt seine Berufung
Damian: Du Vater, ich muss dir was Wichtiges sagen.
Vater: Rede nur, mein Sohn.
Damian: Ich habe eine Vorstellung, was ich werden will.
Vater: Das ist doch klar bei deinen Fähigkeiten und deinem Geschick hier
auf dem Bauernhof. Du wirst den Hof einmal ganz übernehmen.
Damian: Ja, das dachte ich auch. Aber ich spüre in mir den Ruf Gottes,
Priester zu werden.
Vater: Oh Gott, ich habe schon drei Kinder im Kloster. Reicht das noch nicht?
Wer soll denn den Hof weiterführen? Sollen deine Fähigkeiten denn
verkümmern? Mensch, das ist mir aber schwer.
Damian: Mir fällt es auch nicht leicht. Ich bin gerne Bauer. Doch wer weiß,
wofür diese Fähigkeiten einmal wichtig sein können.
Umsonst sind sie nicht. Tröste dich damit, Vater.
Vater: Ja, wer weiß.... Nun, wenn es Gott will und du dabei glücklich wirst,
dann in Gottes Namen.
Erzähler: Damian tritt in die Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen
ein. In Löwen beginnt er seine Ausbildung.
2. Szene: Damian im Kloster
Damian: Mein Bruder August ist schon im gleichen Kloster.
Er hat mir die ganze Zeit beim Studium geholfen, doch jetzt soll er in
die Mission gehen nach Hawaii. Das wäre auch mein Traum.
Oberer: Damian, dein Bruder ist erkrankt. Er kann die Reise nach Hawaii
nicht antreten. Als Oberer muss ich nun Ersatz suchen.
Damian: Ich bin dazu bereit.
Oberer: Du bist noch viel zu jung und noch nicht einmal zum Priester geweiht.
Damian: Ich werde an den Generaloberen des ganzen Ordens schreiben.
Er muss mir die Erlaubnis geben.
Erzähler: Und Damian erhält die Erlaubnis vom Generaloberen. Anstelle seines
Bruders darf er nach Hawaii fahren und wird dort in der Kathedrale
von Honolulu zum Priester geweiht. Danach arbeitet er als Pfarrer
auf einer der vielen Inseln von Hawaii. Eines Tages ruft der Bischof
seine Priester zusammen.
3. Szene: Damian geht nach Molokaii
Bischof: Als Bischof der Hawaii-Inseln habe ich eine große Sorge.
Ihr habt gehört: Der Aussatz, die Lepra befällt immer mehr
Menschen. Die Kranken werden wegen der Ansteckungsgefahr auf
die Insel Molokaii verschleppt. Dort sind sie sich selbst überlassen.
Ein Seelsorger, ein Priester wäre wichtig für sie.
Damian: Das ist sehr gefährlich. Lepra ist ansteckend und bringt den sicheren
Tod. Wer dorthin geht, riskiert sein Leben.
Bischof: Das stimmt. Deshalb will ich auch keinen von mir auch bestimmen.
Ich will nur die hinschicken, die sich freiwillig melden.
Vielleicht können es mehrere Priester sein, die sich abwechseln.
Damian: Ich bin bereit, als erster zu gehen. Sie fahren doch demnächst
nach Molokaii. Ich kann direkt mitkommen.
Bischof: Gut, dann nehme ich Sie mit.
Erzähler: Damian fährt nach Molokaii und ist entsetzt. Die Kranken sind
verwahrlost, haben keinen Mut und keine Hoffnung. Es stinkt überall.
Damian hält es kaum aus und schläft in der ersten Nacht unter einem
Baum. Doch dann besucht er die Kranken in ihren Hütten
und wird mit ihnen vertraut. Schließlich isst er sogar mit ihnen aus
einer Schüssel, wie sie es gewohnt sind. Er bleibt nun ganz auf der
Insel. Zuweilen erhält er Besuch von einem Arzt, der die
Leprakranken behandelt.
4. Szene: "Wir Aussätzige"
Doktor: Pater Damian, ich habe mir einige Patienten angeschaut.
Ich habe ihnen Salbe gegeben, aber viel wird das nicht helfen.
Jetzt muss ich wieder weg. Ich bewundere sie, dass Sie immer
hier bleiben.
Damian: Wissen Sie, Doktor, als Priester muss ich hierbleiben.
"Wir Aussätzige" sage ich in jeder Predigt. Denn ich kann hier
nur dann als Priester glaubwürdig das Evangelium Jesu verkünden,
wenn ich mich nicht ferne halte von den Kranken. Und tatsächlich,
so langsam haben sie Vertrauen zu mir. Sie sehen es ja.
Wir haben gemeinsam schon neue Hütten und eine Leitung
für frisches, sauberes Wasser gebaut. Jetzt möchte ich auch
ein Orchester gründen und einen Chor für die Kinder.
Wir müssen auch feiern und Gott loben und preisen,
denn er schenkt uns jeden Tag, den wir leben dürfen.
Doktor: Sie machen den Leuten Mut, das ist gut. Aber wie geht es Ihnen
selbst? Fühlen Sie sich nicht oft allein.
Damian: Nun, es ist kein Zuckerschlecken. Ohne den Herrn in der Eucharistie
bei mir zu haben, könnte ich es hier oft nicht aushalten.
Aber er hilft mir, glauben Sie mir. Und ich bin glücklich.
Doktor: Und wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Damian: Ich bin stark wie ein Pferd. Nur eine Sache macht mir Sorgen.
Neulich habe ich mich beim Füßewaschen mit heißem Wasser
verbrüht. Es gab sofort Brandblasen, aber ich habe keinen Schmerz
gespürt.
Doktor: Das muss ich genauer untersuchen. Das könnte ein Anzeichen
von Lepra sein. Genau, die Nerven im Fuss sind abgestorben.
Damian: Nein, wirklich? Aber um ehrlich zu sein: Ich habe immer damit
gerechnet, dass es mich treffen wird. Aber ich habe mich Gott
geweiht. Er wird schon für mich sorgen, in gesunden und in kranken
Tagen. Was ich predige, muss ich auch selbst glauben, nicht wahr?